Geschichte
Ein kurzer Überblick
Besiedlung und erste Kriege (ca.1150–1757)
Eine erste Besiedelung erfolgte wohl aufgrund der guten Bodenqualität, des Wasserreichtums und der Lage an der Handelsroute Hellweg.Erstmals erwähnt wurde der Ort, noch unter einem anderen Namen, 1150 im Heberegister der Abtei Essen-Werden.In einem „Schatzbuch“ der Grafschaft Mark, das im Jahr 1486 zur Steuererhebung angelegt wurde, sind für Lütgendortmund 34 steuerpflichtige Bauernhöfe eingetragen. Der Ort beherbergte ein Kloster mit Gerichtssitz. In der Umgebung gab es zwei Adelshäuser: das Schloss Dellwig und das Haus Holte.Während der Großen Dortmunder Fehde zwischen dem Grafen von der Mark und der Stadt Dortmund wurde der Ort im Jahre 1388 an einem Sonntag von den Dortmundern überfallen. Sie brannten die beiden Kirchen und umliegende Häuser ab, nahmen zwei Gefangene und raubten Vieh für über 100 Gulden.Auch im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) wurde der Ort hart getroffen, als holländische und spanische Truppen einrückten. Die Spanier versuchten den katholischen Glauben wieder einzuführen, nachdem ganz Lütgendortmund zum evangelischen Glauben übergetreten war. Sie brannten viele Teile des Ortes nieder, darunter auch die Höfe der Bauernschaft Dellwig, Portmann, Schulte, Heynemann und de Vedder.1757 zogen französische Truppen nach Lütgendortmund ein.
Ortsausdehnung/Siedlungsentwicklung (1830–1910)
Die Einwohnerzahl Lütgendortmunds blieb viele Jahre relativ konstant. Erst während der Inbetriebnahme der Zeche Zollern I im Jahre 1858 war ein überdurchschnittlicher Bevölkerungsanstieg zu verzeichnen. Es wurde Land als Baufläche benötigt, das sich allerdings im Besitz der Bauern befand. Doch durch eine königlich-preußische Verordnung Mitte des 18. Jahrhunderts wurde es auf die Bewohner des Ortes aufgeteilt. Das enorme Bevölkerungswachstum während der Industrialisierung auf ca. 15.000 Einwohner gab dem Ort mehr und mehr einen städtischen Charakter.
Jeder Bewohner hatte nun durch die Aufteilung Land zur Verfügung und konnte darüber frei verfügen: es entweder selbst bebauen, verkaufen oder vermieten. Die ersten größeren Wohnsiedlungen entstanden an den größeren Ausfallstraßen, wie am Lütgendortmunder Hellweg, an der Limbecker Straße und an der Werner Straße. Bis heute bestehen hier die verschiedensten Bautypen. Später folgten vor allem Zechensiedlungen aufgrund vieler Zechen in der Ortsumgebung. 1874 wurden an der Neu-Krengeldanz-Straße 23 zweistöckige Doppelhäuser für Bergmannsfamilien erbaut. Die Häuser boten nicht nur Wohnraum, sondern auch Ställe und Gartenland, sodass sich die Familien teilweise selbst versorgen konnten. Die nächste Kolonie wurde 1889 an der Langen Straße (heute Auf dem Toren) gebaut. Hier entstanden 30 Häuser für je vier Familien. Zu jedem Haus gehörte etwas Anbaufläche.
Die dritte und letzte Siedlung vor 1900 wurde durch die Zechengesellschaft Neu-Iserlohn an der Wilhelmshöhe errichtet. Es entstanden große, dreistöckige Häuserblöcke, die in neuerer Zeit durch modernere Häuser ersetzt wurden. Nach 1900 wurde die Bautätigkeit durch die Harpener Bergbau AG fortgesetzt. 1903 entstanden Siedlungen an der Deipenbeck- und der Helgastraße nahe der Provinzialstraße und 1915 dreizehn zweieinhalbgeschossige Häuser an der Neu-Iserlohn-Straße. Von den zahlreichen Bauten vor 1900 existiert heute nur noch die Siedlung an der Neu-Iserlohn-Straße, die restlichen wurden durch Neubauten ersetzt.
Erster Weltkrieg (1914–1918) und Nachkriegszeit
Wegen des Mangels an Kleingeld am Anfang des Ersten Weltkriegs gab das Amt Lütgendortmund Kriegswechselscheine als Notgeld heraus. Außerdem wurden in Lütgendortmund, wie auch in der ganzen Region, die Kirchenglocken abtransportiert, um das eingeschmolzene Material für Kriegszwecke zu verwenden. 1918 wurde ein Arbeiter- und Soldatenrat für Lütgendortmund gebildet.Am 1. April 1928 wurde Lütgendortmund in die Stadt Dortmund eingemeindet. Damit wurde auch das Amt Lütgendortmund, das seinen Sitz am Ort gehabt hatte, aufgelöst. Lütgendortmund wurde an das Dortmunder Gasnetz angeschlossen.Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 wurden wie im gesamten Deutschen Reich auch in Lütgendortmund jüdische Geschäfte boykottiert. Einige Jahre später, um 1936, wurden Geschäfte jüdischer Kaufleute arisiert oder geschlossen.
Zweiter Weltkrieg (1939–1945)
Im Zweiten Weltkrieg erlitt der Ort einige Angriffe. Am 3. und 4. Juli 1941 wurde der Ortskern durch mehrere Luftangriffe erheblich zerstört. Bei der Einnahme Lütgendortmunds durch amerikanische Truppen vom 8. bis 10. April 1945 wurden weitere Teile des Ortes, u. a. auch die St.-Bartholomäus-Kirche, durch Artilleriebeschuss beschädigt.
1945–heute
1966 gründeten die Lütgendortmunder Einzelhändler die AG Lütgendortmunder Gewerbe (heute Aktiv im Ort, Lütgendortmunder Handel, Handwerk und Gewerbe). 70 Geschäftsleute aus den Bereichen Handel, Gewerbe und Handwerk sind Mitglieder. Die Ritterbrauerei zog 1969 in die neu erbaute Braustätte am Lütgendortmunder Hellweg ein. 1994 fusionierte sie mit der Union-Brauerei zur Dortmunder Union-Ritter-Brauerei. 1977 wurde das moderne und weitaus größere evangelische Krankenhaus fertiggestellt und bald darauf, 1980, das katholische Krankenhaus geschlossen. Das Altenheim St. Barbara wurde in dessen Gebäude untergebracht. 1972 entstand das Altenheim des DRK an der Dellwiger Straße am Volksgarten.
Namensentwicklung (*)
Bewohner und Durchreisende haben Lütgendortmund anscheinend häufig mit der Stadt Dortmund verglichen. Demzufolge heißt es in lateinischen Quellen 1150 Throtmannia minor und 1254 Parva Tremonia. 1290 wird es urkundlich auf Niederdeutsch Luttiken-Dortmunde genannt. Daraus entstand der heutige Name Lütgendortmund. Auch wenn die Form und Schreibweise sich verändert haben, der Name bedeutet immer Klein-Dortmund.
Quelle: Wikipedia
(*) Anmerkung zur Namensgebung:
Norbert Reimann schreibt in seinem Buch: "Kleine Geschichte des Amtes Lütgendortmund sowie der Ämter Dorstfeld und Marten", erschienen zum 100jährigen Bestehen der Hauptzweigstelle Lütgendortmund der Stadtsparkasse Dortmund 1993:
Auffallend ist zunächst der Name des Ortes. "Luttik" ist das mittelniederdeutsche Wort für "klein", als "lütt" oder "lüttge" heute noch in unserem Sprachraum geläufig. Daher liegt es nahe, den Namen als Lütgendortmund "Klein-Dortmund" zu deuten, im Gegensalz zum rund 12 Kilometer östlich am Hellweg gelegenen "großen" Dortmund. Tatsächlich hat man den Namen bereits im Hochmittelalter so verstanden: "Throtmania minor" (d. h. "das kleinere Dortmund") wird der Ort bei seiner frühesten schriftlichen Erwähnung um 1150 im Werdener Urbar genannt (Throtmania = Tremonia = Dortmund), später dann häufig "Parva Tremonia" (= Klein-Dortmund) oder niederdeutsch "Lutteken Dorpmunde".
Dennoch ist diese lnterpretation bei genauerem Hinsehen skeptisch zu beurteilen: es ist kein plausibler Grund auszumachen, weshalb gerade diese Siedlung als Klein-Dortmund angesehen worden sein sollte. Sie war weder zu Dortmund unmittelbar benachbart, noch dürfte es sonst auffallende Gemeinsamkeiten gegeben haben, die die Unterscheidung zu Groß-Dortmund gerechtfertigt hätten. Wahrscheinlicher dürfte es daher sein, dass der Name aus einer Form wie "Luttikendorpe" (= kleines Dorf, vielleicht aber auch in anderer Bedeutung), später, als aus "Throtmanni" über die Form "Throtmunde" schließlich "Dorpmunde" (heute plattdeutsch Düörpm) geworden war, umgedeutet und sprachlich angepasst worden ist.
Literatur:
Norbert Reimann:
Kleine Geschichte des Amtes Lütgendortmund sowie der Ämter Dorstfeld und Marten.
Hrsg. von der Stadtsparkasse Dortmund, 1993,
152 Seiten, mit zahlreichen Fotos und Stadtplänen.
Wilhelm Mohrenstecher
Lütgendortmund
Stadt-Bild-Vlg (2000)
Gebundene Ausgabe: 48 Seiten
Heike Vogel
Spurensuche: Ein Beitrag zur Geschichte Lütgendortmunds
Verlag: Kracht, P (1994)
Taschenbuch: 434 Seiten
Friedrich Ostermann
Aus der Jugendzeit - Erinnerungen an das alte Lütgendortmund
Verlag: Wulff-Verlag, Dortmund (1983)
Taschenbuch: 84 Seiten
Walter Thorun
Kindheit und Jugend zwischen Kohle und Stahl: Erinnerungen und Reflexionen eines Zeitzeugen aus Lütgendortmund
Verlag: Kracht, P (1996)
Taschenbuch: 119 Seiten

